Zeitgeist

Elbphilharmonie, Kleiner Saal

August Klughardt (1847-1902) – Schilflieder op. 28, nach Gedichten von Lenau für Oboe, Viola und Klavier
– Jean-Louis Capezzali, Anna-Kreetta Gribajcevic, Valeriya Myrosh –

Krzystof Penderecki (1933-2020) – Suite per Violoncello solo, Arto Noras gewidmet
– Arto Noras –

Pause

Emmanuel Chabrier (1841-1894) – Larghetto für Horn und Klavier
– André Cazalet, Valeriya Myrosh –

Antonín Dvořák (1841-1904) – Klavierquartett Es-Dur op. 87
– Wu Han, Arnaud Sussmann, Paul Neubauer, David Finckel –

Franz Schubert, Robert Schumann, Felix Mendelssohn, Franz Liszt, Johannes Brahms, jeder kennt und schätzt diese große Namen der deutschen Romantik. Dass weitere Musiker wie Emmanuel Chabrier oder August Klughardt ebenfalls durchaus beachtliche und zeitlose Werke schrieben, ist heute nahezu vergessen. Eine kammermusikalische Wiederentdeckung stellen die 1872 komponierten Schilflieder von Klughardt dar. Angeregt durch die gleichnamige Dichtung des österreichischen Lyrikers Nikolas von Lenau zeichnen die Stücke für Viola, Oboe und Klavier musikalisch Erlebnisse eines Wanderers in der abendlich gestimmten Natur nach. Ein stimmungsvolles Zeugnis romantischer Seelenqualen. Dem Zeitgeist entspricht auch Antonín Dvořáks Klavierquartett in Es-Dur, eine Gattung, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Kammermusik etabliert hat. Dvořák, der nur ein paar Jahre vor Klughardt geboren ist, verknüpft hier die klassisch-romantische Tonsprache mit Elementen böhmischer Volksmusik und slawischer Empfindungen. Eingerahmt wird das Konzert von Krzysztof Pendereckis Cellosuite. Obwohl Penderecki ein begabter Geiger war, zählte das Cello zu seinen Lieblingsinstrumenten. Ergebnis seiner Cellokunst ist die achtteilige Suite per Violoncello solo, die über einen Zeitraum von fast 20 Jahren entstand und mit kurzen Charakterstücken seinen Weg vom Avantgardisten zum Neoromantiker erlebbar macht. Die finale Fassung seiner Suite wurde dem Cellisten Arto Noras gewidmet, der dieses Werk selbst spielen wird.